Leben im Kloster St. Johann in Müstair

 

 

 

Konvent

Das ganze Leben unserer Gemeinschaft, Gebet, Lesung, Arbeit, soll ein Leben in Gott und ein Dienst an IHM sein. Die Arbeiten unserer Schwestern sind vielfältig. Neben den Hausarbeiten gibt es im Garten, im Büro, in Kirche und Sakristei zu tun. Mit Hilfe unserer Angestellten führen wir ein Museum, einen Klosterladen und ein kleines Gästehaus.

Wir hoffen, dass das Lob Gottes auch in Zukunft in unserem Kloster erklingt und dass wir vielen Menschen, die bei uns ein- und ausgehen, eine Atmosphäre der Stille bieten können.

Priorin Domenica Dethomas OSB

Das Leben hinter den Klostermauern

Das Leben im Kloster ist ein Leben in Gemeinschaft unter „Regel und Abt“ in einem ausgewogenen Wechsel von Gebet, Arbeit und geistlicher Lesung. Seit seiner Gründung im 8. Jahrhundert war das Kloster St. Johann in Müstair stets bewohnt. Der benediktinische Geist ist klar spürbar. Der Hl. Benedikt legte mit seiner Regel den Grundstein für eine Ordensgemeinschaft, in der sich die Brüder und Schwestern in Respekt und Demut begegnen, sich gegenseitig inspirieren und stützen, für das Wohl der Gemeinschaft sorgen und im Miteinander wie auch auf individuellem Weg Gott suchen und ihm entgegen gehen.

Klar strukturierter Alltag

Zwischen der Vigil, dem Morgenlob, um 5.30 Uhr und der Komplet, dem Nachtgebet, um 19.30 Uhr liegen 14 Stunden klar strukturierter Klosteralltag: Beten, Psalmen und Hymnen zum Lob Gottes singen, Arbeiten, Meditieren, Lesen, Essen, Schweigen: Tag für Tag, Jahr für Jahr, Jahrzehnte, Jahrhunderte lang. Der Tagesablauf der Benediktinerinnen von Müstair ist heute im Grunde derselbe wie vor 1500 Jahren, als der Hl. Benedikt seine Regel aufschrieb. Im Zentrum steht der Glaube, die Gottsuche und –anbetung. Dabei hilft der geregelte Alltagsablauf, denn er bringt Ruhe in den Tag. Wer aber glaubt, dass die Zeit im Kloster still steht und das moderne Leben vor den Klostermauern Halt macht, der hat sich geirrt. Computer und E-Mails haben Einzug gefunden in die über 1200 Jahre alten Mauern. Termine und Sitzungen, Besprechungen und weltliche Aufgaben gehören ebenso zum Alltag der Nonnen wie ihr Stundengebet.Auf den ersten Blick scheint die enge Vernetzung des Klosters mit nichtreligiösen Institutionen den geruhsamen Tagesrhythmus der Klosterfrauen zu gefährden. Aber die Spiritualität Benedikts ist nicht einfach nur eine abgehobene Geistesübung – nein, sie ist eng mit dem klösterlichen Alltag verbunden und findet somit auch in unserer heutigen multimedialen, globalen, beschleunigten Welt ihren Platz.

Ein Gott geweihtes Leben

Wenn Sie die Nonnen von Müstair nach dem Beweggrund für ihre Entscheidung ins Kloster einzutreten fragen, dann wird Ihnen jede eine andere Geschichte erzählen. Allen gemeinsam ist aber der Wunsch, Gott näher zu kommen. Der Weg ins Kloster ist aber nicht einfach mit einem Schritt getan, es ist vielmehr ein Hineinwachsen, ein stetes Lernen. Benedikt vergleicht das Kloster mit einer „Schule für den Dienst des Herrn“ (RB, Prolog,45). Er selbst sagt, dass der Weg am Anfang nicht anders sein kann als eng. „Wer aber im klösterlichen Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes.“ (RB, Prolog, 49)Heute sind es neun Frauen, die die benediktinische Spiritualität im Kloster St. Johann in Müstair täglich leben. Seit Januar 2013 steht Sr. Domenica Dethomas der Klostergemeinschaft vor. Ihre offene und humorvolle Art zeigt, dass „Nonne sein“ nicht nur Ernst und Strenge bedeuten.

 

 

ora et labora et lege

 

Die benediktinische Tradition wird üblicherweise mit „ora et labora“ (Bete und arbeite) umschrieben. Dieser Grundsatz stammt aus dem Spätmittelalter. Vollständig lautet er „ora et labora et lege“. Diese drei Verben bringen die Synthese der benediktinischen Tradition zum Ausdruck: bete, arbeite, lese.

Ora - Bete

„Hört man das Zeichen zum Gottesdienst,
lege man sofort alles aus der Hand
und komme in grösster Eile herbei“ (RB 43,1)

Dem Gebet soll nichts vorgezogen werden, so steht es in der Regel des Hl. Benedikt. In 13 Kapiteln beschreibt er die Ordnung der einzelnen Stundengebete im Winter, im Sommer und an Sonntagen. Er legt genau fest, welche Psalmen wann gesungen werden sollen, lässt aber auch der Oberin Spielraum. Für Benedikt ist wichtig, dass alle Mönche und Nonnen zu dem finden, was sie suchen. Eine massvolle Unterscheidung ist zentral für die Führung der Klostergemeinschaft: So halte die Priorin „in allem Mass, damit die Starken finden, wonach sie verlangen, und die Schwachen nicht davonlaufen“ (RB 64,19).

 

Die Nonnen von Müstair treffen sich fünfmal am Tag zum Stundengebet, rezitieren täglich den Rosenkranz und feiern Gottesdienst. Der Tag beginnt um 5.30 Uhr mit der Vigil, der ersten Gebetszeit des liturgischen Tages: „Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde“. Bei Tagesanbruch, um 7.05 Uhr feiern die Nonnen die Laudes: Sie ist erfüllt von Licht und spricht von der aufgehenden Sonne als Symbol für Christus. Anschliessend wird Gottesdienst gefeiert. Um 11.00 Uhr beten die Schwestern ihre Mittagshore bevor sie das gemeinsame Mittagessen einnehmen. Um 17 Uhr sammeln sich die Benediktinerinnen von Müstair zum Rosenkranz, anschliessend, um 17.30 Uhr, feiern sie die Vesper, mit der die Arbeit des Tages endet. Laudes und Vesper sind die liturgischen Angelpunkte des benediktinischen Tages. Am Abend, um 19.30 Uhr, wird die Komplet gebetet, das Nachtgebet. Der Tag wird beendet, die Priorin erteilt ihren Schwestern den Segen und das grosse Silentium beginnt bis am Folgetag nach dem Gottesdienst.

Die Benediktinerinnen von Müstair feiern ihr Stundengebet in den Sommermonaten in der Klosterkirche auf der Nonnenempore. Besucher können diesem Gebet gerne beiwohnen und durch das Rezitieren der Psalmen Versenkung und innere Ruhe finden.

 

Labora – Arbeite
 

Die Arbeit der Nonnen von Müstair besteht in Gartenarbeit, Stickereien, Handarbeiten, Betreuung des Gästehauses, aber auch in Büroarbeiten nebst Arbeiten im Haushalt. Auch wenn es immer mehr weltliches Personal hinter den Klostermauern gibt, so ist es wichtig, dass der benediktinische Geist auch in der Arbeit Einzug hält.

Benedikt teilt den Tag so ein, dass die Arbeitszeit am Stück niemals zu lang dauert, sie wird durch Gebet, Lesung oder Zusammenkunft der Schwestern immer wieder unterbrochen. Die Konzentration kann somit besser aufrecht erhalten bleiben.
 

Lege – Lese
 

„Müssiggang ist der Seele Feind.
Deshalb sollen die Brüder
zu bestimmten Zeiten mit Handarbeit,
zu bestimmten Zeiten mit heiliger Lesung
beschäftigt sein.“ (RB 48,1)
 

Benedikt bestimmt genau, wie viel Zeit die Arbeit, wie viel die Lesung in Anspruch nehmen soll. Wir sprechen von „lectio divina“, heiliger Lesung. Es sind erbauliche Texte, die langsam gelesen werden sollen. Jedes Wort soll im Mund zergehen und zum Meditieren anregen. Es geht nicht darum, wie bei einem Zeitungsartikel, den Text schnell zu „scannen“, um die neueste Nachricht der Politik, Wirtschaft oder des Sports herauszufischen. Es geht vielmehr darum, diese geistliche Lektüre innerlich aufzunehmen, sich dem Text zu öffnen und ihn zu verinnerlichen.

Die geistliche Lesung findet individuell statt, aber auch beim Mittag- und Abendessen wird sie in der Gemeinschaft durchgeführt. Die Schwestern essen im Stillschweigen und hören der Leserin zu. So nehmen die Nonnen nicht nur Nahrung für ihren Körper auf, sondern auch für ihren Geist und ihrer Seele.

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